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Seelen darstellen

30 JANUAR 2014



In Deutschland werden täglich viele Tonnen Lebensmittel vernichtet, obwohl sie nicht verdorben sind. Dennoch gibt es auch in unserem Land Millionen Menschen, die nicht ausreichend zu essen haben. In diesem Zusammenhang versuchen in Deutschland die Tafeln, eine Brücke zwischen Überfluss und Mangel zu schaffen: Sie sammeln qualitativ einwandfreie Lebensmittel, die sonst achtlos weggeschmissen werden würden, und verteilen diese an sozial und wirtschaftlich Benachteiligte – kostenlos oder zu einem symbolischen Betrag. Die Gütersloher Tafel wurde 1997 als gemeinnütziger und mild­tätiger Verein ins Leben gerufen. Nach dem Motto „Wir sammeln ein und teilen aus“ wollten die Gründer auch in ihrer Stadt den Tafelgedanken, gespendete Lebensmittel an bedürftige Menschen zu geben, umsetzen.


Gemeinsam mit dem Fotografen Christopher Grigat und der Werbeagentur „gestaltende“ geht Tafel-Geschäftsführer Hans-Jürgen Trendelkamp jetzt einen neuen Weg, um den Menschen, die zur Tafel gehen, in der Öffentlichkeit ein Gesicht zu geben. In diesem Jahr startet in Gütersloh eine ungewöhnliche Plakataktion, die von Christopher Grigat und der Agentur nach einer Idee von Robin Maas umgesetzt wurde. Wir trafen uns mit Grigat und Trendelkamp zum Stadtgespräch in unserer Redaktion, um zu erfahren, warum die Tafel diese ungewöhnliche Kampagne ins Leben gerufen hat.

Sie haben ein ungewöhnliches Projekt gestartet. Was steckt dahinter?
Christopher Grigat: Die Idee ist aus einem Gespräch mit meinem Freund Robin Maas entstanden. Wir wollten ein soziales Projekt ins Leben rufen. In diesem Zusammenhang sind wir auf Charakterporträts gekommen. Ich habe vor zwei Jahren für die Tafel Bielefeld eine Fotostrecke realisiert, deshalb war die Tafel für mich präsent. Ich habe mich dann mit Herrn Trendelkamp, dem Geschäftsführer der Gütersloher Tafel, in Verbindung gesetzt.
Hans-Jürgen Trendelkamp: Ich fand bereits die erste Information und die Idee von Herrn Grigat hochinteressant. Er hat sofort offene Türen bei mir eingerannt: Das Projekt ist ein ganz neuer Aspekt, die Tafel in der Öffentlichkeit darzustellen. Wir machen ja schon eine vernünftige Öffentlichkeitsarbeit. Häufig stehen aber die Sponsoren oder Mitarbeiter mit Wort und Bild in der Öffentlichkeit. Wenn es um die Empfänger geht, handelt es sich um eine anonyme Masse. Sie wurde bislang nie kenntlich gemacht. Wir haben nie die Kunden der Tafel dargestellt. Die wenigsten möchten in die Öffentlichkeit treten. Viele Menschen fühlen sich stigmatisiert, bei einer Einrichtung wie der Tafel Lebensmittel abzuholen. Ich habe gesagt: „Wenn wir das mit bestimmten Personen hinbekommen, dann machen wir das Projekt!“ Im zweiten Schritt mussten wir klären, wen wir auf die Bilder nehmen können. Ich habe die Frage gestellt: „Welche Gruppen haben wir denn in der Tafel?“ Stellvertretend für die Gruppen haben wir die Personen ausgesucht und in den Verteilstellen angesprochen, ob sie sich für dieses Projekt zur Verfügung stellen. Christopher Grigat und ich haben, wie ich finde, eine sehr repräsentative und gute Auswahl getroffen.
Chistopher Grigat: Ich habe mich immer schon dafür interessiert zu erfahren, wer zur Tafel geht. Man hat bestimmte Vorstellungen, aber ich wusste nicht, dass viele junge Mütter und Rentner dorthin gehen. Es ist wichtig für mich, die Leute auf eine nicht voyeuristische Art zu zeigen. Deshalb war es auch entscheidend, dass Herr Trendelkamp die Menschen angesprochen hat, um eine Vertrauensbasis herzustellen. Wir wollten Porträts auf Augenhöhe zeigen.

Was beinhaltet das Fotoprojekt?
Christopher Grigat: Die erste Ebene waren die Porträts. Danach habe ich mit Michael Kuhne von „gestaltende“ gesprochen, um eine Plakatkampag­ne zu machen. Er hatte die Idee, mit Schlagworten zu arbeiten. So entstand die ideale Kombination aus Text und Fotos.

Was wollen Sie mit dieser Kampagne bewirken?
Hans-Jürgen Trendelkamp: Es ist mein Ansinnen, auf die Institution der Tafel aufmerksam zu machen und sie noch stärker ins Bewusstsein der Bürger zu bringen. Dass es eine Tafel in Gütersloh gibt, ist den Bürgern in dieser Stadt mehrheitlich bekannt. Es geht mir darum, mit den Porträts eine emotionale Verbindung herzustellen. Wir wollen mit diesen Plakaten auch Vorurteile abbauen. Viele Bürger unterstützen die Tafel, aber es gibt leider auch noch Leute, die die Menschen, die zur Tafel gehen, stigmatisieren. Wir wollen mit dem Abbild typischer Tafelkunden5 den Blick auf diese Menschen nicht verklären, aber zumindest das negative Klischee, das mit ihnen oft in Verbindung gesetzt wird, herausnehmen. Es sind Menschen wie du und ich. Sie könnten aus unserem Bekanntenkreis oder unserer Nachbarschaft sein. Wenn wir durch diese Kampagne eine stärkere Identifaktion und auch das Mitgefühl mit diesen Menschen erreichen können, haben wir unser Ziel erreicht.

Wer geht denn zur Tafel? Was sind es für Menschen?
Hans-Jürgen Trendelkamp: Wir reden jetzt von unserer Tafelklientel. Zu Beginn unserer Arbeit hatten wir eine relativ große Gruppe von Migranten und Asylbewerbern. Jetzt ist der Anteil der deutschen Haushalte am höchsten. Alleinerziehende und junge Menschen bilden eine immer größere Gruppe. Daraus resultuert auch die hohe Zahl von Kindern und Juegndlichen von mittlerweile mehr als 50 Prozent. Das ist eine stetig steigende Entwicklung. Deshalb ist es für mich auch so wichtig, das mit den Fotos entsprechend darzustellen. Es gibt natürlich auch viele ältere Menschen, die die Kriegs- beziehungsweise Nachkriegsjahre mitgemacht haben und voller Entbehrungen gelebt haben. Sie meinen oft, dass sie mit dem Wenigen, was sie jetzt haben, auskommen können, um nicht zur Tafel gehen zu müssen.

Wie viele Motive gibt es insgesamt in der Plakatkampagne?
Christopher Grigat: Insgesamt fünf.

Die Motive repräsentieren demnach die gesamten Gruppen, die die Tafel besuchen?
Hans-Jürgen Trendelkamp: Es geht um Senioren, jüngere Menschen, Alleinerziehende und auch Personen mit Migrationshintergrund.

Gab es Schwierigkeiten, dieses Projekt durchzuführen? War es schwierig, die Tafelbesucher zu überzeugen?
Hans-Jürgen Trendelkamp: Es gab und gibt – auch unabhängig von dieser Aktion – Schamgefühle. Nicht alle Personen, die ich angesprochen habe, waren sofort begeistert. Viele waren nicht begeistert, als Tafelkunden in der Öffentlichkeit zu stehen. Daraus resultierend gab es auch einige Absagen. Mir war es von Anfang an wichtig, offen mit den angesprochenen Leuten zu reden und sie über alle Hintergründe zu informieren.
Christopher Grigat: Beim Fotografieren war es mir wichtig, den Leuten zu begegnen, um ihnen zu zeigen, dass ich ein aufrichtiges Interesse an ihrem Umstand habe. Ich wollte sie würdevoll zeigen. Die Menschen waren offen, locker und zum Teil glücklich. Sie haben sich gut auf mich eingelassen. Es fand eine interessante Interaktion statt, die sich auch in den Bildern widerspiegelt.
Hans-Jürgen Trendelkamp: Christopher Grigat hat die Seele dieser Menschen dargestellt. Ich empfinde sie auf den Fotos nicht als Bittsteller. Ich erkenne in ihnen Selbstbewusstsein – und auch Lebensfreude. Die Fotos sind ein Gegenentwurf zu den üblichen Werbebildern, weil sie Tiefe haben.

Die Kampagne steht. Wie geht es mit dem Plakatprojekt weiter?
Christopher Grigat: Wir überlegen, die Bilder auch auszustellen. In erster Linie wollen wir die Plakate an großen öffentlichen Werbeflächen anbringen, so dass sie auch gesehen werden. Wir sind zurzeit noch in den Gesprächen und Verhandlungen. Die Gespräche sind aber sehr positiv. Darüber hinaus müssen wir noch Sponsoren mobilisieren – es wäre schön, noch weitere für unsere gemeinsame Sache zu gewinnen.
Hans-Jürgen Trendelkamp: Ich möchte noch einmal etwas Grundsätzliches zu dieser Kampagne sagen. Es geht ja nicht allein nur um die Darstellung unserer Einrichtung in der Öffentlichkeit. Die Gesellschaft muss nach wie vor durch unsere Anliegen sensibilisiert werden. Das soziale Denken darf in unserer unmittelbaren Umgebung – also in der Stadt und im Kreis auf keinen Fall vernachlässigt werden.

Wie ist die Situation in Gütersloh. Gibt es Armut?
Hans-Jürgen Trendelkamp: Armut? Das ist eine relative Größe. Ich würde eher von Bedürftigkeit sprechen. Bedürftigkeit ergibt sich aber nicht nur durch ein geringes Einkommen. Wir leben nicht in einer Gesellschaft, in der man verhungern muss oder  – von Ausnahmen abgesehen – kein Dach über dem Kopf hat. Ich sehe ein größeres Problem darin, dass einkommensschwache Einzelpersonen oder Familien dauerhaft nicht mehr am Leben in unserer Gesellschaft teilhaben können. Das sind Menschen, die durch diverse Handicaps keine Arbeitsstelle mehr finden. Sie müssen auf Dauer alimentiert werden.



Die Gütersloher Tafel

Die Gütersloher Tafel ist ein gemeinnütziger und mildtätiger Verein. Er ist überkonfessionell sowie überparteilich und richtet sich an alle bedürftigen Personen, unabhängig ihrer nationalen, religiösen oder ethnischen Zugehörigkeit. Die Mitglieder des Vereins arbeiten uneigennützig und ehrenamtlich. Die Gütersloher Tafel erhält keine staatlichen Zuwendungen. Die laufenden Kosten werden durch Spenden sowie durch einen symbolischen Beitrag der Lebensmittelempfänger getragen. Ziel der Tafel ist es, einwandfreie und überschüssige Lebensmittel von dem Verderb und der Vernichtung zu bewahren und als Spende an bedürftige Menschen weiterzuleiten. Bedürftige sind z.B. Sozialhilfeempfänger, Arbeitslosengeld I - und Arbeitslosengeld II - Empfänger, geringfügig Beschäftigte, Alleinerziehende, Empfänger von geringfügigen Renten, Obdachlose, Asylbewerber; aber auch Personen, die vorübergehend in eine einkommensschwache Situation geraten sind. Die Bedürftigkeit wird bei jedem Antragsteller überprüft. Die Zuteilung ist, auch aus Kapazitätsgründen, zeitlich begrenzt. Die Tafel betrachtet ihre Unterstützung als Hilfe zur Selbsthilfe und versteht sie nicht als Ersatz von staatlichen Zuwendungen. Die Logistik der Gütersloher Tafel hat die Struktur eines dezentralen Verteilersystems. Die gespendeten Lebensmittel werden bei den Sponsoren mit tafeleigenen Kühlfahrzeugen abgeholt, im Zentrallager in Gütersloh unter den Bestimmungen der Lebensmittelhygieneverordnung eingelagert und an drei Tagen wöchentlich in Verteilstellen in der Stadt und im Kreis Gütersloh an die Tafelkunden ausgegeben. Die Lebensmittel werden nach einem festgelegten Personenschlüssel zugeteilt. Das bedeutet, dass jeder Haushalt einmal pro Woche ein auf die Anzahl der im Haushalt lebenden Personen abgestimmtes Lebensmittelpaket ausgehändigt bekommt.





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