Kanäle - Dreiecksplatz-Kanal
28 AUGUST 2012

WdkK 2012: Der Dienstag – die Welt zu Gast im Dreieck



Von Ben Hensdiek.

So viele Instrumente an einem Abend hat der Dreiecksplatz noch nie gesehen.

Weltmusik gehört zur Woche wie das saftige Grün des Rasens und der Duft nach frischer Bratwurst und Flammkuchen. Und so stand der Dienstag ganz im Zeichen internationaler Klänge, geprägt von einer unglaublichen Vielzahl an Instrumenten auf der Bühne, deren Namen ich hier beileibe nicht im Ansatz aufzählen könnte. Ebenso wenig die Stilistiken, die sich teils vereint, teils als eigene Elemente durch den Abend zogen. Gemein hatten sie vor allem eines: Sie erforderten ein wenig Konzentration und gespitzte Ohren, um ihre Wirkung in vollem Umfang wahrnehmen zu können.

Etwas verspätet in die Dämmerung hinein begann der Abend mit einem wahren Trommelgewitter. Als die schnellsten Hände der Welt angekündigt packte der seit zehn Jahren in Deutschland lebende Iraner Mohammad Reza Mortazavi mit seinen Handtrommeln - unter anderem die Rahmentrommel Daf, um hier wenigstens einen Namen zu nennen - das Publikum mit einer verblüffenden Virtuosität. Tief konzentriert in das eigene Spiel versank er in seinen Eigenkompositionen und entlockte den Instrumenten Klänge, die man von einfachen Trommeln in dieser Breite nicht erwarten würde.

Tiefe, wummernde Bässe, klickernde Hochfrequenzen und leises Rauschen, verwoben zu feinsten Rhythmus-Teppichen in unzähligen Variationen, ließ nicht wenige auf dem Platz glauben, dass dort mehr als ein einzelner Musiker am Werk sein müsste. Ein nahezu unglaubliches Erlebnis, das für einen fast komplett stillschweigenden und staunenden Platz sorgte. In der Tat war dies ein erster magischer Moment der Woche 2012, der durch die phantastischen Farbspiele im Bühnenhintergrund stimmungsvoll untermalt wurde.

Afrikanische Satzgesänge und Crossover-Sounds, hin zu gewohnt europäischen Klangwelten bot anschließend Adjiri Odametey mit seinem Trio. Gitarre, Percussion-Instrumente, Daumenklavier oder die westafrikanische Stegharfe Kora mit ihrem vollen Sound bildeten dabei die Grundlage für die rhythmischen und eingängigen Melodien voller Emotionen, die den Platz in eine einzige Wohlfühl-Oase verwandelten. Verträumte Blicke in den von Wolkenflecken bedeckten Abendhimmel waren hier absolut erlaubt. Urlaub vom Alltag mitten in der Woche.

Den Abschluss auf internationalem Top-Niveau lieferte die Formation The Taal Tantra Experience. Aus meditativen Grooves, feinsten Jazz-Skalen und traditionellen indischen Klängen entwickelt die Band einen weltmusikalischen Diskurs der Extraklasse, der in dieser Form wohl einmalig ist. Getragen von einer großen Rhythmusgruppe und verfeinert mit feinsten Soli auf Querflöte, Saxofon oder Gitarre zogen die Musiker das begeisterte Publikum in ihren Bann. Faszination pur und trotz anspruchsvoller Harmoniesprünge ein mit viel Applaus bedachtes Highlight.

Die Macher der Woche bewiesen auch an diesem zweiten Tag ein feines Gespür für den schmalen Grat zwischen hohem musikalischem Anspruch und Massentauglichkeit. Nach wie vor steht im Programm die kleine und große Kunst im Vordergrund. Dazu gehören zweifelsohne auch Abende wie diese, an denen außergewöhnlichen Projekten ein außergewöhnliches Umfeld geboten wird. Sie machen die Woche zu etwas Besonderem. Und darum ist sie so, wie sie ist – Beständig und eben doch jedes Jahr aufs Neue offen für Kunst aus der ganzen Welt.

Der Ben.


>> Der Mittwoch wird in die Geschichte der Woche eingehen...

...denn mit Joan Armatrading steht ein echter Weltstar auf der Bühne! Mit ihrer Band präsentiert die dreifach Grammy-Nominierte Musikgröße einen Querschnitt ihres Schaffens aus Blues, Folk, Jazz, Pop, Reggae und Rock. Eröffnet wird der Abend vom Duo Tinderbox.

Beginn ist wie jeden Abend um 20 Uhr, die Gastronomie öffnet bereits ab 19 Uhr!


Meinungen und Meldungen an den Autoren:ben(at)gtownmusic.de
Bilderstrecke: Ben Hensdiek.




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